wahr

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wahr [va:ɐ̯] <Adj.>:
1. der Wahrheit, der Wirklichkeit, den Tatsachen entsprechend:
eine wahre Geschichte; der wahre Grund; was er behauptet, ist nicht wahr.
Syn.: 1 richtig, tatsächlich, zutreffend.
Zus.: unwahr.
2. echt, recht, richtig, wirklich:
das ist wahre Kunst; es ist ein wahres Wunder, dass ihm nichts passiert ist.
Syn.: ausgesprochen, regelrecht, typisch.

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wahr 〈Adj.〉
1. der Wahrheit, der Wirklichkeit, den Tatsachen entsprechend, wirklich, tatsächlich (geschehen)
2. nicht gelogen
3. richtig, zutreffend
4. 〈fig.〉 aufrichtig, echt
● \wahre Begebenheit, Geschichte; er ist ein \wahrer Freund 〈fig.〉; jetzt zeigt er sein \wahres Gesicht 〈fig.〉 jetzt zeigt er, wie er wirklich ist, wie er wirklich denkt; es ist ein \wahres Glück, eine \wahre Schande 〈fig.; umg.; verstärkend〉 es ist wirklich ein G., eine Sch.; es ist ein \wahrer Segen, dass ... 〈fig.; verstärkend〉 es ist wirklich ein S.; darauf brach ein \wahrer Sturm der Begeisterung, Entrüstung, Empörung los 〈fig.; verstärkend〉; es war mir eine \wahre Wonne, ein \wahres Vergnügen 〈fig.; umg.; verstärkend〉 wirklich eine W., ein V.; das ist ein \wahres Wort damit hast du wirklich Recht; es ist kein \wahres Wort daran ● \wahr machen = wahrmachen; das ist zu schön, um \wahr zu sein; ist das \wahr?; das ist (ja gar) nicht \wahr!; das ist schon gar nicht mehr \wahr 〈fig.; umg.〉 das ist schon so lange her, dass man kaum noch daran denkt; das ist nicht das Wahre 〈umg.〉 das ist nicht ganz das Richtige, das gefällt mir nicht recht; es ist etwas Wahres daran es ist zum Teil richtig, es ist nicht ganz falsch; er hat \wahr gesprochen 〈poet.〉; \wahr werden Tatsache werden, wirklich geschehen ● das einzige Wahre an der Geschichte ist, dass ... ● etwas für \wahr halten; nicht \wahr? ist es nicht so?, verstehst du?; so \wahr mir Gott helfe! (Schwurformel); so \wahr ich lebe!, so \wahr ich hier stehe! wirklich, ganz gewiss, ich lüge nicht! [<ahd. war, wari <idg. *uero- (lat. verus), urspr. wohl „achtbar“; vermutl. mit wahren verwandt]

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wahr <Adj.> [mhd., ahd. wār, zu einem Wort mit der Bed. »Gunst, Freundlichkeit (erweisen)«, eigtl. = vertrauenswert]:
1.
a) der Wahrheit, Wirklichkeit, den Tatsachen entsprechend; wirklich geschehen, nicht erdichtet, erfunden o. Ä.:
eine -e Begebenheit, Geschichte;
ein -er Satz;
die Legende, Geschichte hat einen -en Kern;
ihre Worte sind w.;
das ist [gar] nicht w.;
was er sagt, kann gar nicht w. sein;
das ist nur zu w.! (leider ist es wirklich so!);
das ist auch wieder w. (trifft andererseits auch zu);
davon ist kein Wort w. (es stimmt alles nicht);
etw. für w. halten;
ihr Traum, ihre Ahnung ist w. geworden;
er hat seine Drohung, sein Versprechen w. gemacht (in die Tat umgesetzt);
(bekräftigende Ausrufe:) wie w.!, sehr w.!, wohl w.!, wirklich w.!, (österr.:) weils w. ist;
…, nicht w.?/nicht w., …?;
(Ausruf des höchsten Erstaunens, des Entsetzens, der Entrüstung:) das kann, darf [doch] nicht w. sein!;
(formelhafte Bekräftigungen:) so w. ich hier sitze, stehe!, so w. ich lebe! (ganz bestimmt);
so w. mir Gott helfe;
<subst.:> daran ist etwas Wahres/(ugs.:) da ist was Wahres dran;
R was w. ist, muss w. bleiben;
das ist schon gar nicht mehr w. (ugs.; ist schon sehr lange her);
b) tatsächlich, wirklich:
der -e Sachverhalt;
der -e Täter ist unbekannt;
das ist der -e Grund, das -e Motiv;
seine -en Gefühle, sein -es Ich, seinen -en Charakter nicht erkennen lassen.
2.
a) (geh.) echt, aufrichtig; die Bezeichnung verdienend:
-e Liebe, Solidarität;
-er Glaube;
ein -er Freund, Demokrat;
b) richtig, nicht nur dem Schein nach:
das ist -e Kunst, Kultur;
<subst.:> das ist das einzig Wahre, nicht das Wahre (ugs.; das einzig Richtige, nicht das Richtige).
3. bekräftigt das im Subst. Genannte; regelrecht; ordentlich; sehr groß:
ein -es Wunder, Genie;
es war eine -e Wonne, Lust, Pracht;
es setzte ein -er Sturm auf die Geschäfte ein.

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I
wahr
 
[althochdeutsch wār, eigentlich »vertrauenswert«], grundlegender Terminus der logischen Semantik zur Bezeichnung der Geltung von Aussagen beziehungsweise Aussagesätzen. Zur Einlösung eines Geltungsanspruchs muss zu den Gegenständen zurückgegangen werden, über die etwas ausgesagt wird oder wurde; deshalb sind die Kriterien für die Einlösung der (metasprachlichen) Behauptung »A ist wahr« die gleichen wie die Kriterien für die Einlösung der (objektsprachlichen) Behauptung A (dabei ist das Zeichen A ein Eigenname für eine nicht näher bestimmte Aussage). - In den Wahrheitstheorien spricht man, wenn eine Aussage allein aufgrund ihrer Zusammensetzung mit logischen Partikeln wahr ist, von logisch wahr oder formal wahr; werden zusätzliche terminologische Regeln in Anspruch genommen, von analytisch wahr; wird die Wahrheit einer Aussage durch logische Deduktion aus einem Bereich schon anerkannter Sätze gewonnen, von logisch beziehungsweise analytisch notwendig wahr, wenn ein Bereich anerkannter Naturgesetze zugrunde gelegt ist, auch von kausal notwendig wahr.
II
wahr,
 
True.

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wahr <Adj.> [mhd., ahd. wār, zu einem Wort mit der Bed. „Gunst, Freundlichkeit (erweisen)“, eigtl. = vertrauenswert]: 1. a) der Wahrheit, Wirklichkeit, den Tatsachen entsprechend; wirklich geschehen, nicht erdichtet, erfunden o. Ä.: eine -e Begebenheit, Geschichte; ein -er Satz; die Legende, Geschichte hat einen -en Kern; Aber Joseph hatte ... nähere und -ere Nachrichten (Th. Mann, Joseph 35); das Fürchterliche und Böse, das jede Geschichtsforschung zu einer im -en Wortsinne unerfreulichen Arbeit macht (Thieß, Reich 27); ihre Worte sind w.; das ist [gar] nicht w.; was er sagt, kann gar nicht w. sein; das ist nur zu w. (leider ist es wirklich so)!; das ist auch wieder w. (trifft andererseits auch zu); davon ist kein Wort w. (es stimmt alles nicht); etw. für w. halten; ihr Traum, ihre Ahnung ist w. geworden; er hat seine Drohung, sein Versprechen w. gemacht (in die Tat umgesetzt); wie w.!, sehr w.!, wohl w.!, wirklich w.! (bekräftigende Ausrufe); ..., nicht w.?/nicht w., ...? (bekräftigende Frageformel); das kann, darf [doch] nicht w. sein! (Ausruf des höchsten Erstaunens, des Entsetzens, der Entrüstung); so w. ich hier sitze, stehe!, so w. ich lebe! (ganz bestimmt; formelhafte Bekräftigungen); so w. mir Gott helfe (Eidesformel); <subst.:> daran ist etwas Wahres/(ugs.:) da ist was Wahres dran; R was w. ist, muss w. bleiben; das ist schon gar nicht mehr w. (ugs.; ist schon sehr lange her); b) tatsächlich, wirklich: der -e Sachverhalt; der -e Täter ist unbekannt; das ist der -e Grund, das -e Motiv; seine -en Gefühle, sein -es Ich, seinen -en Charakter nicht erkennen lassen; So kam es zu dem Prozess ..., in dem schließlich die -en Zusammenhänge und Hintergründe ... preisgegeben wurden (Prodöhl, Tod 239). 2. a) (geh.) echt, aufrichtig; seinen Namen verdienend: -e Liebe, Solidarität; -er Glaube; ein -er Freund, Demokrat; b) richtig, nicht nur dem Schein nach: das ist -e Kunst, Kultur; <subst.:> das ist das einzig Wahre, nicht das Wahre (ugs.; das einzig Richtige, nicht das Richtige). 3. (bekräftigt das im Subst. Genannte) regelrecht; ordentlich; sehr groß: ein -es Wunder, Genie; es war eine -e Wonne, Lust, Pracht; es setzte ein -er Sturm auf die Geschäfte ein; dass er seinen Neffen Maximinus Daja, ein -es Scheusal, zum Cäsar erhob (Thieß, Reich 239); Der König hatte für den Kaffee eine -e Leidenschaft (Jacob, Kaffee 136).

Universal-Lexikon. 2012.

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